5/08/2017

Permakultur: Nahrung vermehrt sich, wenn man teilt



»Dann kann man ja gar nichts mehr essen«, hört man immer wieder von Fleischessern, wenn sie auf Veganer oder Vegetarier stoßen. Die Vorstellung, dass die Auswahl an fleischloser Nahrung recht klein ist, haben aber nicht nur Fleischesser. Auch viele Gemüseliebhaber wissen nicht, welch ungeheure Vielfalt die Natur hervorbringt bzw. mal hervorbrachte, denn viele Gemüsesorten gibt es mittlerweile schon gar nicht mehr. Warum der Mensch so vieles ausgerottet hat, liegt nicht nur an seinem Sinn für zählbare Ordnung, sondern auch an seiner Idealvorstellung, lieber von wenigem sehr viel als von vielem wenig zu bekommen. Wobei Vielfalt ja nur bedeutet, dass es von einer einzelnen Sorte weniger gibt. Die Menge der Nahrung insgesamt erhöht sich, wenn man Vielfalt zulässt. 


 

Heute setzt die Agrarindustrie auf Monokulturen, die zunehmend in die Kritik geraten, da die Böden durch einseitige Bepflanzung auf Dauer auslaugen. Aber auch weil der übermäßige Einsatz von Düngemittel und Pestiziden den Boden vergiftet. Dazu kommt, dass Pflanzen häufig nicht mehr widerstandsfähig sind und nicht durch eigene Kraft überleben, sondern mit chemischen Mitteln am Leben gehalten werden. Es gibt Menschen, die diese Nahrung daher als tote Nahrung betrachten, die keine Nährstoffe, sondern im Gegenteil eher Giftstoffe liefert. Aber wie kultiviert man Gemüse ohne Gift? Wie hält man Krankheiten und Ungeziefer davon fern? Eine Richtung in der ökologischen Landwirtschaft, die diesen Weg geht, nennt sich Permakultur und bedeutet ganz einfach: leben und leben lassen.





Permakultur lehrt Nachhaltigkeit und Respekt vor dem natürlichen Lebenskreislauf. Statt Konkurrenten, die als Unkraut oder Ungeziefer bezeichnet werden, zu bekämpfen, gönnt man ihnen einfach ihren Anteil und versucht, durch Mischkulturen die Pflanzen zu stärken, damit man selbst auch seinen Anteil bekommt. Dafür benötigt man keine Giftstoffe, die Pflanzen, Boden und Mensch schädigen. Denn jede Pflanze besitzt eine Eigenschaft, die einer anderen Pflanze helfen kann, sich gegen Krankheiten oder Insektenbefall zu schützen. Knoblauch beispielsweise vertreibt Erdbeermilben und ist damit ein guter Nachbar auf dem Beet der Erdbeeren. Man muss aber auch bereit sein »abzugeben «, und zwar an Tiere bzw. an die Natur. Denn was auf der Welt existiert, gehört nicht dem Menschen allein, so die Philosophie. Er muss wieder lernen, diese eine Welt mit anderen Lebewesen zu teilen. 

 



Die konventionelle Landwirtschaft verfolgt dieses Ziel nicht, denn mit der Permakultur hat man nur den halben Ertrag, das halbe Geld, mehr Arbeit und mehr Frust. Das Paradoxe daran: Auch von der konventionellen Landwirtschaft kann man heute kaum noch leben. Aufgrund der hohen Produktionsmengen sinken die Preise. Damit die Bauern und ihre Höfe überleben und weiter produzieren können, muss ihnen geholfen werden. Eigentlich kommt man aus diesem Teufelskreislauf nur raus, wenn man teilt, auch wenn dann weniger für einen selbst bleibt. Jedoch: Von gesunder Nahrung braucht der Mensch grundsätzlich viel weniger – und weniger
Nahrung bedeutet in diesem Fall sogar mehr Nährstoffe.

Von jungen Bauern und altem Gemüse. Zu Besuch bei Harald Gasser (http://www.aspinger.com/de/) Auszug aus dem Reisekochbuch 'ITALIA - Das Beste aus allen Regionen' 






Kapuzinerkresseblüten mit Ziegenkäse und gerösteten Erdmandeln
von Harald Gasser


Für 4 Personen
Zubereitungszeit 20 Minuten


1 Handvoll Erdmandeln
120 g Ziegenfrischkäse
12 Kapuzinerkresseblüten


Die Erdmandeln fein hacken und in einer Pfanne ohne Fett
leicht anrösten. 1 TL Ziegenfrischkäse mittig in jede Blüte
geben und mit den gehackten Erdmandeln bestreuen. Die
Kapuzinerkresseblüten als Vorspeise servieren.


Abbinamento consigliato: Eisacktaler Kerner




Mehr zu Harald Gasser  und weiteren Rezepten:
'ITALIA - Das Beste aus allen Regionen' 

http://www.aspinger.com/de/
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